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Runder Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt

in Stadt und Landkreis Nienburg

 Der "Runde Tisch" ist ein Aktionsbündnis, das gegen Rassismus und rechte Gewalt in Stadt und Landkreis Nienburg aufruft und sich für Toleranz und Demokratie einsetzt. Das Bündnis tagt offen und verlangt keine feste Mitgliedschaft. Bei aktuellen Anlässen ruft der Runde Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt alle gesellschaftlichen Gruppen zu Aktivitäten im Sinne seiner Zielsetzung auf.

  

Entstehung:    

Anfang Oktober 2000 fand anlässlich einer Schändung des jüdischen Friedhofes in Nienburg eine Mahnwache gegen rechtsradikale Übergriffe statt. Zur gleichen Zeit  trat erstmals die NPD mit einem Informationsstand in der Nienburger Innenstadt auf. Anlässe genug für Regina Andresen vom Verein "Menschlichkeit e.V.", zu einem "Bündnis gegen Rechts" aufzurufen. Dies war die Geburtsstunde des "Runden Tisches gegen Rassismus und rechte Gewalt", zu dem sich am 27. Oktober 2000 im Nienburger Kulturwerk rund 20 Frauen und Männer aller Altersgruppen aus Parteien und Vereinen, Verbänden, von Polizei und Kirchen, aber auch nicht organisierte Bürgerinnen und Bürger trafen.

 

Zielsetzung:       

Das Selbstverständnis des Runden Tisches basiert auf dem bundesweiten "Aufruf für Toleranz" im Jahre 2000, den 44 Erstunterzeichner und Erstunterzeichnerinnen aus Politik, Wirtschaftsverbänden, Arbeitnehmerverbänden und Religions-gemeinschaften mit ihrer Unterschrift unterstützten (Berliner Aufruf für Toleranz und Demokratie). Diesen Aufruf hatten auf Initiative des Runden Tisches viele namhafte Persönlichkeiten in Stadt und Landkreis Nienburg Beispiel gebend unterzeichnet und damit ein klares Bekenntnis gesetzt. Insgesamt wurden 4000 Unterschriften gesammelt und in der Tageszeitung "DIE HARKE" vom 8. November 2000 veröffentlicht.

 

Aktionen:            

 Der "Runde Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt im Landkreis Nienburg" hat in der Vergangenheit durch viele Aktionen auf seine Ziele aufmerksam gemacht. So folgten am 9. November 2000 rund 400 Menschen dem Aufruf, einen „Weg des Gedenkens“ vom Ort der ehemaligen jüdischen Synagoge am Schloßplatz bis zur Gedenktafel am Rathaus zu gehen. Der "Runde Tisch" holte die Ausstellung "Demokratie gegen Rechts" des niedersächsischen Verfassungsschutzes nach Nienburg und organisierte ein Rahmenprogramm, in das etliche Institutionen eingebunden waren. 2001 initiierte der Runde Tisch den ELISABETH-WEINBERG-PREIS und rief in den folgenden Jahren zu Mahnwachen für den Frieden auf, beteiligte sich an Veranstaltungen des Arbeitskreises Gedenken, des Friedensratschlages und unterstützte das Kulturprojekt gegen Gewalt:  "Mut statt Wut" im April/Mai 2004 sowie das Projekt "Jazz im Nationalsozialismus" im November/Dezember 2004.

Als im Oktober 2004 Neonazis die Scheiben des FLORA-Projektbüros (Fit für ein Leben ohne Rassismus und Ausgrenzung) einwarfen, aktualisierte der Runde Tisch den Aufruf für Toleranz und Demokratie und gewann dafür rund 90 Erstunterzeichner und Erstunterzeichnerinnen aus Politik, Vereinen und Verbänden, aus Schulen und Jugendeinrichtungen.

Am 17. März 2007 rief der Runde Tisch mit Kirchenkreis Nienburg, DGB Kreis Nienburg, Arbeitskreis Gedenken und dem Kreisjugendring sowie vielen anderen verbündeten Gruppen unter dem Motto "Gesicht zeigen! Für Demokratie mit Courage!" zu einem Aktionstag auf. Unter der Schirmherrschaft von Landrat Heinrich Eggers und Bürgermeister Henning Onkes zeigten tausende Menschen "Gesicht" gegen Rechtsextremismus in den Straßen der Stadt Nienburg. Anlass war eine angemeldete Demonstration des Landesverbandes der NPD. 

Zu Beginn des Jahres 2008 rief der Runde Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt zusammen mit vielen Organisationen und den Parteien dazu auf, bei der bevorstehenden Landtagswahl vom Wahlrecht Gebrauch zu machen und eine demokratische Partei zu wählen, um damit ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen.

 

Berliner Aufruf zum 9. November 2000

„Aufstehen gegen Gewalt“

Der Aufruf für Toleranz

 „Wir stehen für ein menschliches, weltoffenes und tolerantes Deutschland, für das friedliche Zusammenleben aller Menschen in diesem Land, ungeachtet ihrer Weltanschauung, Religion, Kultur oder Hautfarbe.

 Wir verurteilen Hass, Gewalt, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Wir dulden keinen Antisemitismus, keine Schändung von Friedhöfen, religiösen und kulturellen Einrichtungen, keine feigen Übergriffe gegen Menschen in unserem Land.

 Wir stehen zusammen gegen das Wegschauen und die Gleichgültigkeit. Wir wollen ein Land, in dem kein Mensch Angst haben muss vor Verfolgung und Gewalt.

 Wir sind nicht allein. Unsere stärksten Waffen sind Mut zur Zivilcourage und Entschlossenheit. Auf uns, die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes kommt es an.

 ‚Die Würde ist unantastbar’. Wir stehen zu den Grundwerten unserer Demokratie.

Der 9. November als Datum deutscher Geschichte im Guten wie im Bösen verpflichtet uns alle, die Demokratie stets aufs Neue zu verteidigen. …“

 

 

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